Erinnerungen

Gerne teilen wir mit dir einzigartige Geschichten und Erfahrungen aus dem Mühlviertel und entlang der tschechischen Grenze während der Zeit des Eisernen Vorhangs. Unsere Mitglieder haben zum Teil sowohl die Gründung als auch den Fall des Eisernen Vorhangs hautnah miterlebt. Erfahre mehr über den Alltag an einer geschlossenen Grenze und die historischen politischen Ereignisse dieser Ära. Tauche ein in unsere Erinnerungen und entdecke, was es bedeutet hat, mit dieser Grenze zu leben.

Europaministerin Claudia Bauer am Europatag

„Bis vor wenigen Jahrzehnten hörte in meinem Heimatbezirk Europa auf, der Kontinent war geteilt. Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 war Grundstein für die Sicherung von Frieden und Wohlstand in Europa. Es braucht heute mehr denn je ein geeintes und starkes Europa. Daher müssen wir am Friedensprojekt EU gemeinsam weiterbauen.“ hielt Bauer bei einer gemeinsamen Kranzniederlegung mit Bürgermeister Leopold Gartner fest.

Passieren der Grenze

Alfred Fiedler erzählt hier, wie schwierig und heute unvorstellbar es zu Zeiten des Eisernen Vorhangs war, die Grenze nach Tschechien zu passieren.

Während des Kalten Krieges und des Eisernen Vorhangs hatten österreichische Staatsbürger im Allgemeinen mehr Möglichkeiten, die Grenze zur Tschechoslowakei zu überwinden, als tschechische Staatsbürger. Aufgrund der geografischen Lage und der politischen Beziehungen hatten Österreicher oft leichteren Zugang zu Besuchs- und Reisemöglichkeiten in die Tschechoslowakei, während tschechische Staatsbürger strenge Beschränkungen hatten, um die Grenze zu überqueren. Diese Unterschiede waren Teil der politischen Realität und der Einschränkungen, die der Eiserne Vorhang mit sich brachte.

A. Fiedler
Kurzgeschichte

Drei Radartürme für Guglwald

Grenzüberschreitende Urlaube, geheime Verstecke und waghalsige Fluchtpläne – Professor Fritz Winkler erzählt, wie ostdeutsche „Republikflüchtlinge“ sonnenreiche Sommer in Südböhmen nutzten, um ihre Freiheit zu erlangen. Doch als die Grenzwache einen feindlichen Hubschrauber enttarnte, endete das Katz-und-Maus-Spiel abrupt. Mehr lesen

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Demonstration in Budweis

Roland Spitzlinger erzählt hier von seinem Erlebnis in Budweis bei einer Demonstration zur Entmachtung des kommunistischen Regimes.

Die Samtene Revolution war eine friedliche politische Bewegung Ende 1989 in der Tschechoslowakei. Menschen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft forderten politische Reformen, Demokratie und Meinungsfreiheit. Die Proteste führten zum Rücktritt der kommunistischen Regierung und legten den Grundstein für den Übergang zur Demokratie. Sie gilt als symbolischer Meilenstein in der Geschichte der Tschechoslowakei und inspirierte ähnliche Bewegungen in anderen Ländern Osteuropas.

Kurzgeschichte

Den tschechischen Grenztruppen entlaufen...

Ein Landwirt der Gemeinde Schönegg fand im Mai einen Schäferhund in seiner Scheune. Nach Bekanntwerden, dass dieser vermutlich ein Wachhund der Grenzpolizei sein musste, wurde die Polizei gerufen. Mehr lesen

Fehlender Völkeraustausch nach dem Fall

Reinhold Mitterlehner, ehemaliger Vizekanzler der Republik Österreich, teilt hier seine persönlichen und politischen Empfindungen zur Grenzöffnung und reflektiert darüber, wie sich das Leben danach verändert oder auch nicht verändert hat.

Reinhold Mitterlehner ist ein österreichischer Politiker, der von 2014 bis 2017 Vizekanzler und Bundesparteiobmann der Österreichischen Volkspartei war. Er setzte sich für Reformen in der Wirtschafts- und Bildungspolitik ein.

R. Mitterlehner
Kurzgeschichte

Ein Mahnmal der Unterdrückung

Beim Hotel Guglwald befindet sich eine Gedenkstätte für die Vertriebenen der Nachkriegszeit, während in unmittelbarer Nähe die DenkStätte des Vereins „DenkStein Eiserner Vorhang“ an die Teilung Europas erinnert, um die vergessenen Spuren der kommunistischen Unterdrückung zu bewahren und das Ringen der Ostblockstaaten für Demokratie und gegen Extremismus zu würdigen. Mehr lesen

B. Mayr

Die Grenze in den Köpfen

Alfred Mayr erzählt hier aus seiner Sicht als Bürgermeister der Gemeinde Sankt Stefan am Walde, wie schwierig es war und auch nach wie vor ist, den Austausch zwischen den Gemeinden auf beiden Seiten der Grenze voranzutreiben.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gab es anfangs begrenzten Austausch und Zusammenarbeit in den Grenzgebieten zwischen Österreich und Tschechien. Obwohl sich die Situation im Laufe der Zeit verbessert hat, geht der Austausch auch heute noch langsam voran, unter anderem aufgrund von anhaltenden Herausforderungen wie unterschiedlichen wirtschaftlichen Strukturen und kulturellen Unterschieden zwischen den beiden Ländern.

Einsamkeit am Stacheldraht

Wilbirg Mitterlehner, ehemalige Bezirkshauptfrau von Rohrbach, schildert wie prägend das Aufwachsen unmittelbar am Eisernen Vorhang war. Sie beschreibt das beklemmende Gefühl, an einem Ort zu leben, an dem die Welt am Grenzbalken endete, und wie die ständige Präsenz von Stacheldraht, Soldaten und Panzern – besonders während des Prager Frühlings – ihren Alltag und ihre Wahrnehmung als Kind nachhaltig beeinflusste.

Das Leben im Grenzgebiet zwischen Österreich und der damaligen Tschechoslowakei war über Jahrzehnte von Isolation und der physischen Barriere des Eisernen Vorhangs gezeichnet. Die Erzählungen verdeutlichen, dass die Grenze nicht nur eine politische Trennung, sondern eine tiefgreifende menschliche Zäsur darstellte: Historische Traumata wie die Vertreibung aus Böhmen und die militärische Aufrüstung schufen eine Atmosphäre der Einsamkeit und Angst, die das gesellschaftliche Gefüge in den dünn besiedelten Randregionen bis heute in der Erinnerung prägt.

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Interview_05_Günter Kitzmüller

Blick auf das Militärlager

Günter Kitzmüller berichtet hier von seinen Kindheitserinnerungen in Guglwald Ende der 1960er-Jahre und beschreibt, wie er durch die Wanderungen mit einem Feriengast die Grenze als Schwelle zu einer „völlig anderen Welt“ wahrnahm. Er schildert eindringlich den Moment, als er mit dem Feldstecher das tschechische Militärlager beobachtete und durch das ferne Echo von Schüssen erstmals begriff, dass diese Grenze – im Gegensatz zu jener nach Deutschland – etwas tief Trennendes und Bedrohliches war.

Die Grenzregion um Guglwald war zur Zeit des Kalten Krieges ein Ort, an dem die geopolitische Teilung Europas bereits für Kinder im Alltag spürbar wurde. Während die Grenzen zu westlichen Nachbarn offen schienen, manifestierte sich das tschechoslowakische Grenzregime durch permanente militärische Präsenz und akustische Signale der Gewalt. Diese Erfahrungen verdeutlichen, wie stark das Bewusstsein einer unüberwindbaren Barriere die Wahrnehmung der dort aufwachsenden Generation prägte und das „Drüben“ als fremden, unzugänglichen Raum markierte.

Gebete für die Öffnung

Oberstudienrat Mag. Franz Huemer, ehemaliger Direktor der Tourismusschulen in Bad Leonfelden, erinnert sich an ein stilles Gebet an der Grenze bei Reifmaß im Sommer 1989.

Diese Erzählung verdeutlicht, wie kollektive Sehnsucht nach Veränderung den Boden für historische Transformation bereitet. Was 1989 an der Grenze in Bad Leonfelden als spiritueller Akt begann, mündete in die tatsächliche Öffnung, in den Fall des Eisernen Vorhangs. Das zeigt: Echte Transformation braucht nicht nur politische Beschlüsse, sondern eine kulturelle Resonanz in den Köpfen und Herzen der Menschen.

Interview_07
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Ich komme vom Ende der Welt

Bernhard Winkler, Obmann des Vereins Denkstein, erzählt davon, wie es war, direkt am „Ende der Welt“ aufzuwachsen. Er schildert die „enterische“ Stimmung bei nächtlichen Spaziergängen, wenn von der tschechischen Seite das Licht der Leuchtraketen zu sehen und der Lärm von Schießübungen zu hören waren.

Die Schilderungen machen deutlich, wie sehr der Eiserne Vorhang den Alltag in den Grenzgemeinden als Sackgasse prägte. Die unmittelbare Nähe zum tschechischen Militär und deren Übungen waren eine ständige Erinnerung an die Teilung Europas.

Fast schon wie Schengen

Univ. Prof. Erich Peter Klement schildert einen Familienausflug über die Grenze, kurz nach der Wahl von Václav Havel zum Präsidenten im Dezember 1989.

Der Bericht verdeutlicht die rasanten Veränderungen unmittelbar nach der Samtenen Revolution, als die streng bewachte Grenze fast über Nacht passierbar wurde. Während die physischen Barrieren schnell abgebaut wurden, blieb der Kontrast zwischen Ost und West in den Städten – etwa durch verstaubte Auslagen und eine desolate Infrastruktur – vorerst noch deutlich sichtbar.

Interview_01_Erich Peter Klement