Geschichte zum Begehen – aus drei Perspektiven
Über vier Jahrzehnte trennte der Eiserne Vorhang Europa. Der DenkWeg macht diese Zeit wieder erfahrbar: An jeder Station beleuchten Tafeln in Deutsch, Tschechisch und Englisch ein Kapitel – von der jahrhundertelangen Nachbarschaft über Teilung und Unterdrückung – bis zur Wiedervereinigung Europas.
Ausgangspunkt des DenkWegs ist die DenkStätte. Von dort führt der Weg zu den Stationen 2 bis 10.
Die Begleit-App
- App laden – Die kostenlose Begleitapp DenkWeg Eiserner Vorhang installieren.
- Station scannen – QR-Codes auf den Stationstafeln entlang des Weges scannen.
- Mehr entdecken – Zusätzliche Texte, Videos und interaktive Inhalte erleben.
Die Stationen
Station 1 · Eine Wanderung durch die Zeitgeschichte
Station 1 ist die DenkStätte und zugleich Ausgangspunkt des Weges. Von hier führt die Route zu den Stationen 2 bis 10 – durch eine Epoche, in der Europa geteilt war.
Station 2 · Jahrhundertelange Nachbarschaft
Bis 1945. Trotz politischer Grenzen blieben Südböhmen und das Mühlviertel eng verbunden: gemeinsame Herrscherhäuser, der Salzhandel, der Schwarzenbergische Schwemmkanal und die Pferdeeisenbahn. Erst der Zweite Weltkrieg und später der Eiserne Vorhang rissen die Region auseinander.
Station 3 · Scheindemokratie und Unterdrückung
Ab 1948. Die Kommunistische Partei erzwang in der Tschechoslowakei die Alleinherrschaft und errichtete ein Regime nach sowjetischem Vorbild. Verstöße oder mangelnde Loyalität konnten Bildung und Beruf einer ganzen Familie zerstören.
~18.000
Bedienstete der Staatssicherheit (StB)
bis 160.000
inoffizielle Mitarbeitende
Station 4 · Leben am Ende der Welt
Das Sperrgebiet. Hinter dem Eisernen Vorhang endete die Welt – er war eine tote Grenze. Was über Jahrhunderte selbstverständlich war – „drüben“ zur Schule, zum Einkaufen, ins Gasthaus – wurde plötzlich unmöglich.
Station 5 · Strenge Kontrollen und moralische Nöte
Ab 1951. Die Grenzwache (Pohraniční stráž), ausgerüstet mit Waffen und Hunden, sollte „Grenzverletzer“ aufhalten. Die jungen Soldaten standen unter enormem Druck: Wer eine Flucht verhinderte, wurde belohnt – wer versagte, riskierte Strafe und gesellschaftliche Sanktionen.
584
Angehörige der Grenzwache starben, viele durch Unfälle
11
davon von Flüchtenden getötet
185
begingen Suizid
Station 6 · Aus Verzweiflung das eigene Leben riskieren
Flucht. Trotz strengster Bewachung und lebensgefährlicher Hochspannungsgitter (bis 1965) wagten zahllose Menschen die Flucht. Sie ließen Angehörige zurück und setzten ihr Leben aufs Spiel – getrieben von Perspektivlosigkeit oder der Sehnsucht nach Freiheit.
48.925
Festnahmen an der Grenze, 1950–1989
281
kamen bei der Flucht ums Leben
145
davon erschossen
96
starben durch Stromschlag
Station 7 · Das Unglaubliche wird wahr
1989. Unter Michail Gorbatschow signalisierte Moskau, nicht länger militärisch einzugreifen. Was als Riss im Zaun begann, weitete sich zum politischen Umbruch aus – und beendete die Teilung Europas.
- 27.06.1989 – Symbolisches Durchschneiden des Grenzzauns bei Sopron
- 19.08.1989 – Paneuropäisches Picknick bei Sopron: über 600 DDR-Bürger fliehen nach Österreich
- 19.08.1989 – Durchschneiden des Grenzzauns bei Guglwald / Přední Výtoň
- 09.11.1989 – Fall der Berliner Mauer
- 17.11.1989 – Beginn der Samtenen Revolution in Prag
Station 8 · Kontaktaufbau und Gemeinschaft
Ab 1990. Der Wiederaufbau war schwierig – viele Dörfer nördlich der Grenze existierten nicht mehr. Trotzdem wuchs rasch ein Austausch: Vereine wie die Feuerwehren von Schönegg, Piberschlag und Přední Výtoň knüpften Freundschaften. Mit dem EU-Beitritt Tschechiens 2004 fielen die Kontrollen endgültig.
Station 9 · Die Generation danach
Heute. Für die jüngere Generation, aufgewachsen mit offenen Grenzen, hängt die Bedeutung des Eisernen Vorhangs oft von der eigenen Familiengeschichte ab. Gemeinsame Strandfeste in Přední Výtoň und Vorderweißenbach zeigen, was an seine Stelle getreten ist: gelebte Nachbarschaft.
Station 10 · Zeitgeschichte, die Hoffnung macht
Auftrag. Geschichte ist nicht nur Vergangenheit, sondern Auftrag. Nur ständiges Engagement für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sichert die Freiheit der Menschen – Impulse für ein Europa der Zukunft, ohne Grenzen, in Freiheit und Frieden.
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